Eine eSIM zu testen ist tückisch: Läuft die Verbindung mal schlecht, weiß man selten, ob es an der eSIM liegt oder am lokalen Netz vor Ort. Ausprobiert habe ich jüngst Yesim, einen Schweizer Anbieter für Reise-eSIMs mit nach eigenen Angaben über 200 Zielen, auf einer Woche in den USA. Der Anbieter kam für den Test auf mich zu, ausgegeben habe ich am Ende 22,48 Euro für neun Tage unbegrenzte Daten von meinem virtuellen Guthaben.
Da ich mich in den letzten Jahren ansonsten hauptsächlich im EU-Ausland aufgehalten habe und mit meinem Fraenk-Tarif ganz entspanntes, länderübergreifendes Roaming genieße, hatte ich bis jetzt praktisch keinen Kontakt mit einer solchen Reise-eSIM. Stellt sich heraus: Meine Berührungsängste waren völlig unbegründet.

Nur Daten, aber nicht nur Daten
Die Reise-eSIM selbst liefert reine Daten, eine Rufnummer oder SMS sind nicht dabei. Für Anrufe und Nachrichten weicht man also auf WhatsApp, Telegram und Co. aus.
SmartDroid.de bei Google folgenGanz auf Daten beschränkt ist Yesim als Anbieter aber nicht: Getrennt vom Datentarif verkauft die Firma optionale virtuelle Rufnummern (aus UK, USA, Kanada oder den Niederlanden), etwa zur Verifizierung bei Diensten, und für iOS eine VPN-Funktion. Im Urlaub ist eine Nummer manchmal praktisch, aber zu rund 95 Prozent kommt man auch ohne durch.
Unlimited nach Tagen oder festes GB-Kontingent
Bei den Tarifen gibt es zwei Grundmodelle. Zum einen Unlimited-Pakete, deren Laufzeit man tagegenau von einem bis dreißig Tagen wählt und exakt auf die Reise timen kann. Zum anderen feste Datenkontingente, meist von 3 bis 20 GB mit einer Gültigkeit von 7 bis 30 Tagen. Für die USA kostet ein Tag
Dazu kommen Sonderformen wie Pay & Fly, bei dem man nur die tatsächlich genutzten Daten zahlt, und ein jährlicher Unlim Day Pass, dessen einzelne Unlimited-Tage bis zu ein Jahr abrufbar bleiben. Wer viel reist (jedenfalls in eines der 83 unterstützten Länder) und eine eSIM dauerhaft installiert lassen will, fährt damit flexibler als mit den Einmal-Tarifen.
Aktivierung in wenigen Klicks
Die Einrichtung war das Unkomplizierteste am ganzen Test. In der Yesim-App genügen ein paar Fingertipps, dann liegt das eSIM-Profil auf dem Gerät. Unter iOS muss ich die eSIM anschließend in den Einstellungen unter Mobilfunk noch aktiv als Leitung für mobile Daten auswählen, sonst funkt weiter die Haupt-SIM. Auf Android führt der Weg je nach Hersteller über den SIM-Manager bei Samsung oder über Netzwerk und Internet, Mobilfunknetz, Anbieter hinzufügen bei Pixel-Geräten, wichtig ist dort zusätzlich, Daten-Roaming einzuschalten.




In den meisten Situationen hatte ich keine Verbindungsprobleme. Es gab vereinzelte Aussetzer, die sich aber, siehe oben, nicht sauber auf die eSIM zurückführen lassen. Merkwürdiger waren zwei andere Effekte: In Microsoft Teams empfing ich unterwegs durchgehend Nachrichten, konnte selbst aber keine Bilder verschicken. Und bei einem WhatsApp-Videoanruf kam das Bild der Gegenseite in guter Qualität an, während mich mein Gegenüber kaum verstehen konnte. Yesim verweist auf Anfrage an der Stelle auf Firewall-Einstellungen des Netzbetreibers.
Preisvergleich USA in Euro für 30 Tage (Stand Juli 2026)
| Anbieter | Unlimited | 20 GB |
|---|---|---|
| Yesim | 45 Euro | 17 Euro |
| Saily | 63 Euro | 33 Euro |
| Holafly | 71 Euro | / |
| Airalo | 62,50 Euro | 33 Euro |
| Nomad | 20 Tage ca. 57 Euro | ca. 30 Euro |
Ycoins, Krypto und andere Bezahlmethoden
Etwas eigen ist das Bezahlsystem. Neben Karte, Google und Apple Pay, PayPal, Klarna, Twint, Bancontact, EPS und Stripe akzeptiert Yesim auch Krypto über Binance Pay. Dazu kommt die hauseigene Guthabenwährung Ycoins, die man aufladen kann und für die es fünf bis zehn Prozent Cashback gibt. Nötig ist das nicht, es macht die Sache aber unübersichtlicher als sie sein müsste und gibt in Kombination mit der Unterstützung von Krypto irgendwie einen etwas unseriösen Touch. Ein Werbeprogramm für Freunde gibt es auch.
Beim Preis steht Yesim gut da. In den USA schaltet der Anbieter je nach Signal zwischen T-Mobile und AT&T, meine neun Tage kosteten rund 2,50 Euro pro Tag. Wer unbegrenzte Daten will, zahlt bei Yesim spürbar weniger als bei Holafly. Airalo und Nomad setzen für die USA vor allem auf feste Kontingente, und viele „Unlimited“-Tarife haben Wahrheit ein Tageslimit, nach dem stark gedrosselt wird. Darunter angeblich auch Yesim, aber offenbar mit dem großzügigsten. Ich bin jedenfalls nicht offensichtlich an die Grenzen gestoßen.
Meine Erfahrung deckt sich mit dem Bild aus den Nutzerbewertungen: Meistens läuft es, aber es gibt Ausreißer. Auf Trustpilot häufen sich Beschwerden zur Geschwindigkeit, etwa Tempo auf Edge-Niveau auf Zypern oder eine Drosselung nach hohem Verbrauch.
Das Thema Fair Use kommt aber immer wieder auf, also wie „unlimitiert“ der „Unlimited“-Tarif wirklich ist. Nach eigener Aussage wendet der Anbieter selbst keine Fair-Use-Policy an und verlangt auch keine Überschreitungsgebühren. Gedrosselt wird erst, wenn das jeweilige Partnernetz vor Ort sein Highspeed-Kontingent ausgeschöpft sieht, dann sinkt das Tempo bis zum Zurücksetzen des Tages- oder Monatszyklus. Eine konkrete Grenze nennt Yesim nicht, weil sie vom Netz abhänge. Für Nutzer bleibt der Drosselungspunkt damit praktisch unbekannt, Grundlegendes wie Messaging und Navigation soll aber weiterlaufen.
Fazit
Unterm Strich ist Yesim in meinen Augen ein solider Reisebegleiter, nicht nur für datenhungrige Kurztrips wie meinen in die USA. Die Einrichtung ist einfach, die Preise für Unlimited sind konkurrenzfähig, und die tagegenauen Laufzeiten plus Pay & Fly machen den Anbieter gerade für Vielreisende interessant, die eine eSIM dauerhaft im Gerät lassen. Die Schwächen bleiben der von außen unbekannte Drosselungspunkt und generelle eSIM-Probleme im Ausland, mit denen alle Anbieter zu kämpfen haben. Meiner Meinung nach bekommt ihr hier einen flexiblen Datentarif zum fairen Kurs. Habt ihr schon Erfahrungen mit dem Provider gemacht?
