Blaue Chatblasen sind vor allem in den USA (wo das iPhone mehr als die Hälfte Marktanteil hält) eine soziale Währung, und daran verdient jetzt wieder ein Anbieter, der erst 2023 krachend gescheitert ist. Sunbird hat seine App, die iMessage auf Android bringt, am 5. August für alle im Play Store freigegeben. Die offene Beta beendet einen jahrelangen geschlossenen Test.
Wie Sunbird technisch funktioniert
Die App bündelt iMessage, RCS über Google Messages und SMS in einer Oberfläche. Dafür verbindet ihr euer Apple-Konto mit dem Dienst, der eure Nachrichten als Zwischenstation weiterreicht. Ein zweites Apple-Gerät braucht ihr nicht.
In iMessage-Gruppen erscheint ihr mit blauer Blase, Antworten und hochauflösende Videos sollen mitlaufen. „Blaue Blasen sind nur die Oberfläche“, sagt Firmenchef Danny Mizrahi. Neowin berichtet allerdings, dass ausgehende Reaktionen bislang fehlen. Und Sunbird registriert keine Rufnummer, eure Kontakte sehen euch mit einer E-Mail-Adresse.
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Neu ist ein sortierter Posteingang mit den Reitern Primary und Secondary. Noch in diesem Quartal sollen lokal laufende KI-Funktionen sowie WhatsApp und Facebook Messenger folgen. Sunbird nennt nur US-Preise, 2,99 Dollar im Monat oder 24,99 Dollar im Jahr nach 14 Tagen Testphase, für die ihr vorab Zahlungsdaten hinterlegt.
Zwei gescheiterte Anläufe aus dem Jahr 2023
Dieselbe Technik war 2023 die Grundlage von Nothing Chats und damit von Nothings erstem Mega-Flop. Sicherheitsforscher fanden unverschlüsselt übertragene Zugangsdaten und Hunderttausende frei abrufbare Mediendateien, kurz darauf nahm Sunbird auch die eigene App vom Markt.
Fast zeitgleich probierte es Beeper Mini mit einem anderen Ansatz und sprach das iMessage-Protokoll direkt an, ohne fremde Zwischenstation. Apple kappte die Verbindung nach drei Tagen, das nächste Desaster war perfekt. Beeper gehört inzwischen zu Automattic und bietet iMessage nur noch über einen Mac an.
Warum die EU hier nicht einspringt
Naheliegend wäre die Annahme, dass der Digital Markets Act das Problem in Europa ohnehin löst. Tut er nicht. Die Kommission stufte iMessage zwar als Kernplattformdienst ein, benannte Apple nach einer Marktuntersuchung im Februar 2024 aber ausdrücklich nicht als Torwächter. Gewehrt hatte sich Apple mit dem Argument, iMessage sei in Europa zu klein.
Das Gericht der EU hat das am 8. Juli 2026 bestätigt und Apples Klagen zu iMessage als unzulässig abgewiesen, weil für den Dienst keine der DMA-Pflichten gilt. WhatsApp musste sich für fremde Messenger öffnen, iMessage nicht. Ein Rechtsmittel zum EuGH ist noch möglich, kurzfristig ändert sich aber nichts.
Was ihr vor dem Ausprobieren wissen solltet
Sunbirds Weg über euer Apple-Konto ist technisch schwerer zu blockieren als der von Beeper. Der Preis dafür ist ein Dritter, der eure Nachrichten durchreicht. Das Unternehmen sagt, Nachrichten seien auf dem Gerät und beim Transport verschlüsselt und würden nicht gespeichert, Passwort und Anmelde-Token ebenso wenig. Laut Sicherheitsseite werden Mediendateien aber erst binnen 48 bis 72 Stunden von den Systemen gelöscht. Beides passt nicht zusammen, wie auch 9to5Google anmerkt.
Hinzu kommt, dass RCS zwischen Android und iPhone seit Mai verschlüsselt sein kann, noch als Beta und abhängig vom Mobilfunkanbieter. Der Mehrwert von Sunbird schrumpft damit auf die Blasenfarbe und ein paar Gruppenfunktionen. Ich würde mein Apple-Konto dafür nicht an einen Anbieter geben, dessen vorige Version genau daran gescheitert ist.
