Bisher kann auf Android nur ein einziger KI-Assistent tief ins System greifen, sich per Sprachbefehl wecken lassen, Aktionen über mehrere Apps hinweg ausführen und den Bildschirminhalt mitlesen: Googles eigenes Gemini. Damit soll bald Schluss sein. Die Europäische Kommission hat Google jetzt verbindlich verpflichtet, konkurrierenden KI-Diensten denselben Zugriff auf Android-Funktionen zu geben, den Gemini heute besitzt.
Darum geht es der EU
Grundlage ist Artikel 6(7) des Digital Markets Act (DMA), der marktmächtige Gatekeeper zu fairer Interoperabilität zwingt. Rund 60 Prozent der Mobilnutzer in Europa sind auf Android unterwegs, entsprechend wichtig ist die Plattform als Zugang zu KI-Diensten. Die Kommission sieht darin eine Grundvoraussetzung für Wettbewerb: „Echter Wettbewerb und echte Innovation können sich nur entwickeln, wenn alternative Anbieter von KI-Diensten den Nutzern einen ähnlich leistungsfähigen Assistenten bieten können wie Google.“
Konkret muss Google elf Funktionen öffnen. Der zentrale Home-Button und die Wischgeste dürfen nicht länger für Google-Dienste wie Circle to Search reserviert bleiben, und auch das Weckwort ist nicht mehr Google allein vorbehalten: „Hey Google“ bekommt Konkurrenz. Über eine Integration auf Systemebene müssen zudem Google-eigene Apps wie Gmail, Kalender, Maps, YouTube und Messages für fremde Assistenten erreichbar werden.
SmartDroid.de bei Google folgenWas die Assistenten künftig dürfen
Besonders greifbar wird es bei der Bildschirmautomatisierung. Ein fremder Assistent darf Aufgaben dann im Hintergrund erledigen, während ihr etwas anderes macht, etwa eure Einkaufsliste öffnen und die Artikel in der App des Supermarkts bestellen. Dazu kommt der Zugriff auf Kontext aus Apps, Sensoren und Bildschirm sowie auf Googles geräteinterne KI-Modelle wie Gemini Nano.

Zeitplan und Zugangshürden
Den Großteil muss Google mit Android 18 umsetzen, spätestens bis zum 1. August 2027. Die parallele Hotword-Erkennung, mit der sich mehrere Assistenten gleichzeitig per Stimme aktivieren lassen, folgt erst mit Android 19 bis August 2028.
Für besonders sensible Funktionen darf Google objektive und nicht-diskriminierende Zugangshürden setzen, etwa Sicherheits- und Datenschutzstandards, die unabhängige Prüfer zertifizieren. Welcher Dienst am Ende welche Daten sehen darf, entscheidet ihr per Einwilligung selbst.
Google wehrt sich, Apple ließ es drauf ankommen
Google hält davon wenig. In einem Blogbeitrag warnt Konzernmanager Kent Walker, die Entscheidung drohe „wichtige Datenschutz- und Sicherheitsvorkehrungen für Millionen von Europäern zu untergraben“. Besonders besorgt zeigt sich der Konzern um die Suchhistorie: Private Suchanfragen der Europäer würden „unbekannten Firmen offengelegt, ohne ausreichende Anonymisierung der Daten und ohne Wissen oder Einwilligung der Nutzer“.
Die Parallele zu Apple ist auffällig: Dort kommt Siri AI wegen derselben Interoperabilitätsregeln vorerst gar nicht in die EU. Google ging den umgekehrten Weg, brachte Gemini zuerst auf die Geräte und regelt die Compliance hinterher. Ob der Konzern gegen die Auflagen in Berufung geht, ist noch offen.
via Macrumors

Da hat Google schon einen Punkt. Gemini ist wesentlich mächtiger als viele andere KI Programme.