EU will Google für Android an den Kragen, nächste Strafe droht

Nach einer unverhältnismäßigen Rekordstrafe für Google, droht durch die EU bald der nächste Ärger. Diesmal will man Google für Android an den Kragen, denn das US-Unternehmen zwingt mit seiner Marktmacht die zahlreichen Smartphone-Hersteller dazu, dass sie auf ihren Android-Geräten die Google-Dienste vorinstallieren. Grob umrissen stimmt das sicher auch, weshalb die EU nun das Thema besonders forsch angeht.

Im Zusammenhang mit dem Betriebssystem Android hat die Kommission die Sorge, dass Google bei einer Reihe von Anwendungen und Diensten für mobile Geräte im Rahmen einer allgemeinen Strategie die Auswahl verringert und Innovationen verhindert, um seine beherrschende Stellung im Bereich der allgemeinen Internetsuche zu schützen und auszubauen.

Reuters berichtet in diesen Tagen, dass sich die EU extra eine Reihe an Experten ins Haus geholt hat, um den Fall rundum Android jetzt gesondert zu prüfen und sich damit auch eine zweite Meinung einzuholen. Es wird eine Strafe noch für 2017 erwartet, die höher als die zuletzt angesetzten 2,4 Milliarden Euro, die es für Google Shopping gab, ausfallen könnte.

Google hätte Android und den Play Store längst vom Rest entkoppeln müssen, doch Partner müssen bei Installation des quasi unverzichtbaren Google Play Stores auf den eigenen Geräten auch zahlreiche andere Google-Apps vorinstallieren und gehen im Zuge dessen vermutlich eng geschnürte Verträge mit Google ein. Das prangert die EU seit einiger Zeit an, zuletzt berichteten wir im Oktober 2016.

Android-Geräte ohne Google-Apps? Für die meisten quasi undenkbar, auch weil Dienste wie die Google-Suche, YouTube und Gmail inzwischen einen unfassbaren Stellenwert in der digitalen, westlichen Gesellschaft haben. Anders sieht das die EU, da möchte man wohl gern Android-Geräte ohne vorinstallierte Google-Apps sehen – für einen fairen Markt und mehr Innovationen.

[via Reddit]

  • Regloh

    Nutze weder Google Suche noch Gmail noch Chrome noch noch noch. Für alles finde ich besseres in meinen Augen.
    Wäre schön wenn der Kram nicht mehr vorinstalliert ist. Wo ist das Problem bei Wunsch die entspannende App zu installieren?

    • Warum sollte es ein Problem geben? Google macht einfach nur das, was vermutlich jeder in dieser Position machen würde. Marktmacht stärken, Konkurrenz von Beginn an untergraben. Es ist ja nicht viel anders, als es beim Internet Explorer unter Windows vor langer Zeit war.

      • Regloh

        Und genau dafür hat ja MS auch eine Strafe kassiert. Und das ist richtig so-klar ist das im Interesse des Unternehmens, deshalb aber noch lange nicht im Interesse der Nutzer und ebenfalls nicht im Interesse eines freien Marktes.

    • Jan

      Kein Youtube, keine Google-Suche, keine Google-Spracheingabe? Man kann ja darüber diskutieren, ob das vorinstalliert sein muss aber die Zahl der Menschen, die ohne all das leben möchten, dürfte sich wohl auf einen sehr kleinen und sehr nerdigen Kreis beschränken.

      Vom Play Store, ohne den 90 Prozent der Nutzer vermutlich gar nicht wüssten, wie sie an Apps kämen, ganz zu schweigen.

      • Regloh

        Ich bin nicht besonders nerdig. Gar nicht.
        Und es kann jeder nutzen was er will, mir völlig egal.
        Aber das so viel vorinstalliert ist, der sich nicht mal deinstalieren lässt, sondern nur deaktivieren, sollte halt wirklich unterbunden werden. Chrome vorinstalliert, was soll der Scheiß. Ich hatte mal ein Elephone, da war einzig der Store vorinstaliert von den Google Apps.
        Einzig beim App Store find ich die Vorinstallierung ok, die Gefahr mag zu groß sein, das einige sonst zu schnell auf dubiose Seiten geraten.

        • Jan

          Hm, ehrlichgesagt fänd ich es schon schräg, wenn ein Handy ohne vorinstallierten Browser daher käme. Auch wenn das manch Anderen vielleicht gar nicht stören würde, weil er sowieso nur Apps benutzt. Aber auch auf Desktop-Rechnern ist ja (unabhängig vom Betriebssystem) immer ein Standardbrowser installiert.

          Cherry Picking finde ich an der Stelle auch nicht sinnvoll. Entweder, Google bevorzugt eigene Dienste verbotenerweise, dann muss das aber für alles gelten, also auch die Suche, den Assistenten und den Store. Oder das ist alles egal, weil der Nutzer ja sowieso zu Alternativen greifen kann, wenn er will.

          Dass sich Sachen wie Google+ oder „Duo“ nicht deinstallieren lassen, finde ich persönlich wesentlich schlimmer, als dass der Standardbrowser (den ja eventuell das System selber mal für irgendwas brauchen könnte) nicht löschbar ist. Selbst nach der Strafe, die Microsoft von der EU-Kommission damals wegen des Internet-Explorers bekommen hatte, erschwand der ja nicht aus dem System. Stattdessen konnte man halt frei zwischen Standardbrowsern wählen, die zusätzlich installiert wurden.

  • Jan

    Lässt sich auf iOS eigentlich, wie bei Android, irgendein alternative Store installieren? Gibt es ein iPhone ohne Apple?

    • Nicht offiziell. iOS ist aber auch nicht vergleichbar, das ist ein geschlossenes Systems eines einzigen Herstellers, nicht Open Source und „frei“ verwendbar wie Android.

      • Jan

        Meinst Du nicht, dass der EU-Kommission das dahinterstehende Geschäftsmodell egal sein sollte? Wenn das Ziel ist, einen sauberen Wettbewerb zuzulassen, müssen Apple und Google da schon gleich behandelt werden.

        • Ähm? Google hat fast ein Monopol, Apple ist ja lächerlich klein dagegen, wenn es um die Verbreitung von Software und Hardware geht.

          • Jan

            Apple hat einen Marktanteil von 100% auf iOS-Geräten, Googles Marktanteil auf Androidgeräten dürfte darunter liegen (weil es ja auch Google-Freie Android-Systeme gibt).

            Das Problem der EU-Kommission war nicht der Marktanteil, sondern der Missbrauch der Anbieter von Betriebssystemen, mit denen sie eigene Dienste nach EU-Meinung unlauter beworben, weil vorinstalliert haben. Der Marktanteil der Systeme ist für diese Bewertung doch zweitrangig, auch wenn man sich natürlich vor allem die Großen vorknöpft.

          • Lustige Art und Weise, die Marktanteile zu betrachten :D…

            Googles System beherrscht über 80% des Marktes, in Europa sind davon quasi alle Geräte „gezwungenermaßen“ mit Google-Diensten ausgestattet. Das stößt auf, Google nutzt sein „Monopol“ aus.

            Auch wenn ich das bisschen für Quatsch halte, holt sich die EU doch hierüber nur die ausgelassenen Steuerzahlungen zurück.